Grindknight vs. Katharina Zipser: Das Laufduell (Teil 2, Tag X)

Samstag, 23. September, Itter

Mein Training in den zehn Tagen nach dem schicksalhaften Treffen mit Katharina Zipser verlief ohne Zwischenfälle und ganz nach Plan: Ich habe einerseits rigoros regeneriert, aber mich andererseits zwischendurch durchaus auch mal sowas wie angestrengt: so verzichtete ich etwa konsequent und mit eiserner Entschlossenheit bei meinen alltäglichen Spaziergängen auf die Benutzung jeglicher Aufzüge und Rolltreppen. Beim Shoppen im Innsbrucker Kaufhaus Tirol ging’s sogar mal per pedes bis ganz hinauf in den fünften Stock. Da hätt ich glatt fast zu transpirieren begonnen. Und einmal war ich sogar laufen!

Mit einem Wort, ich bin gewappnet. Zur moralischen Unterstützung bringe ich noch meine Gattin und meine beiden Söhne (knappe fünf und knappe zwei) mit nach Itter, die mich eifrig anfeuern sollen; den Erstgeborenen hab ich auch gleich angemeldet für den Kinderlauf, welcher vor dem Hauptlauf stattfinden wird. 250 Meter über Asphalt und Wiese – der Junior soll nur lernen, was es ist, das harte Typen hart macht. Hab ihm auch extra sein geliebtes Justice-League T-Shirt übergestülpt, damit ihm das Team aus grimmigem Batman, Superman, Green Lantern und wie sie alle heißen die nötige Dosis Extramotivation einflößen möge. Jaja sowas hilft, das ist psychologisch. „Hinfort, mein Sohn, und triumphiere“, gebe ich ihm noch als väterlichen Rat kurz vor dem Startschuss mit auf den Weg, aber der sture Bengel besteht darauf, dass ich die ganze Strecke neben ihm herlaufe; sonst, so seine Drohung, würde er kneifen. Ich verzichte auf die an sich bitter nötige Standpauke („In deinem Alter, hätt’s damals nicht so tolle Serien wie Biene Maja und Pumuckl im Fernsehen gegeben, wär ich verdammt nochmal dankbar gewesen, 250 Meter laufen zu dürfen!“) und füge mich seinem Willen, zumal die Organisatoren das Elternnebenherlaufen auch explizit erlauben – Mist! Als verantwortungsbewusster Vater erkläre ich mich also bereit, Einiges von meiner bisher so sorgsam für mein Rennen gehorteten Energie zu verpulvern.

Soviel verpulverte Energie ist’s dann aber auch wieder nicht, denn was mein Sohn darbietet ist eher als gemütliches Schlendern denn als Laufen zu bezeichnen. Als Sechster von acht Teilnehmern gelangt er schließlich ins Ziel (zwei Zweijährige hatten sich ihm zwar zunächst dicht an die Fersen geheftet, aber dann beim Endspurt gottseidank kläglich versagt) und fragt mich sofort: „Hab ich gewonnen?“

Ich seufze. „Gewissermaßen, mein Junge“, sage ich und lächle, während ich sein Haupt tätschle; „gewissermaßen“. Was bleibt mir denn auch anderes übrig? Kann ihn ja nicht hier vor all den Leuten zur Schnecke machen! Stattdessen mache ich mir die mentale Notiz, demnächst Full Metal Jacket nochmal zu Rate zu ziehen, um mich von Sergeant Hartman in Sachen effizienter Erziehungsmethoden inspirieren zu lassen.

Bis ich drankomme dauert’s ein bisschen, also dümple ich mit meiner Familie noch auf dem kleinen Spielplatz eine Gehminute vom Startbereich entfernt herum. Dann mache ich mich auf, um meine Position einzunehmen.

„Wo sind denn alle?“ frage ich unschuldig einen Herrn vom Organisationsteam, als ich in der menschenleeren Startzone ankomme. „In drei Minuten soll’s ja losgehn!“ Haben außer mir etwa alle weiche Knie bekommen?

„Alle sind an der Startlinie wo sie hingehören,“ sagt der Mann hilfsbereit und blickt auf meine Startnummer. „Ich würde dir raten, dich ebenfalls dorthin zu begeben.“

„Wie, das hier ist nicht die Startzone?“ frage ich verdattert. Vielleicht hätte ich mir die Strecke daheim doch nochmal online anschauen sollen.

„Nein, das hier ist das Ziel, und nur der Startbereich für den Kinder- und den 5Kilometerlauf. Die 10Kilometer-Teilnehmer starten ein paar hundert Meter weiter vorn.“ Er deutet mit dem Zeigefinger. „Am besten läufst du durch das Feld da, dann schaffst du‘s vielleicht noch.“

Mir bleibt keine Zeit, den Schock zu verdauen, und wie von der Tarantel gestochen hechte ich los. Ich rufe allen Leuten, denen ich begegne, verzweifelt zu, wo zum Teufel ich hinmuss, und man gibt mir mehr oder weniger klare Anweisungen. Die eine oder andere davon höre ich sogar.

Völlig außer Puste komme ich an, und sehe zu meiner Erleichterung, dass der Startschuss noch nicht gefallen ist. Jetzt endlich kann ich sagen, dass ich Einiges meiner wertvollen Energie verpulvert habe. Aber Ärgern bringt nichts. Ich glaube noch, unter den vielleicht hundert oder so Teilnehmern das gezopfte Haar meiner selbsternannten Erzrivalin Katharina Zipser irgendwo vor mir zu erblicken, bin mir aber nicht ganz sicher. Zeit, mich dessen zu vergewissern bleibt keine, denn schon knallt’s und los geht‘s!

Fortsetzung folgt!

Autor: grindknight

Johannes Mahlknecht hat lange Zeit Verschiedenes an verschiedenen Universitäten studiert und nebenbei sogar etwas Vernünftiges gelernt. Reimen etwa. Die Neigung zum humorvollen ebensolchen entwickelte er mit der Erkenntnis, dass Lachen hie und da recht angenehm sein kann. Im Illustrieren ist Mahlknecht auch nicht der Allerschlechteste. Zur ersten Publikation gelangte er mit vier Jahren, nachdem seine Kindergärtnerin einen von ihm ganz alleine gemalten Fisch an die Zeitung schickte, wodurch er sich sozusagen über Nacht als der "Mozart der Malerei" keinen Namen machte.

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