Drei Buchrezensionen

Grundriss der Neueren deutschen Literaturgeschichte
Autor: Stefan Neuhaus
Verlag: UTB (A. Francke)
Jahr: 2017
Genre: Sachbuch

Grindknights Rezension:
„Wenn das vorliegende Buch einen auch nur ganz kleinen Beitrag dazu leistet, das eigene Potenzial an Freiheit zu entdecken und, mit dem Respekt und der Rücksichtnahme vor der Freiheit der anderen, besser zu nutzen, dann hat es seinen Zweck erfüllt.“ (S. 385)

So benennt Stefan Neuhaus das bescheidene und gleichzeitig ganz und gar unbescheidene Ziel, welches er mit seinem „Grundriss der Neueren deutschsprachigen Literaturgeschichte“ verfolgt. Einen Streifzug durch die Geschichte der deutschsprachigen Literatur kriegen wir neben der möglichen Förderung der eigenen Freiheit scheinbar ganz nebenbei mitgeliefert – sozusagen als Bonus.

Tatsächlich gelingt es Neuhaus, hier gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: anhand einer (bewusst und gezwungenermaßen unvollständigen) Literaturgeschichte beleuchtet er das Konzept „Freiheit“, und anhand des Konzepts „Freiheit“ vermittelt er Literaturgeschichte. Dabei macht diese Einführung auch ohne den besonderen Schwerpunkt auf den Freiheitsgedanken, mit dem sie sich ein faszinierendes Alleinstellungsmerkmal schafft, ordentlich Laune. Die schmackhafte Kombination aus Zusammenfassung und Analyse der jeweiligen Werke, die Neuhaus hier mit scharfem Blick präsentiert, weckt Appetit, jene Texte, die man nicht kennt, baldigst zu lesen und jene, die man schon kennt, ebenso baldigst nochmal zu lesen.

Dass Freiheit ein zentraler Gedanke ist, mit dem sich die Literatur seit jeher beschäftigt, mag an sich nicht überraschen, aber WIE zentral und wie facettenreich die Auseinandersetzung damit im geschichtlichen Überblick, und wie problematisch die Umsetzung im privaten wie politischen Leben ausfällt, überrascht beim Lesen durchaus und regt, gemäß dem Wunsch des Autors, dazu an, sich die Bedingungen der eigenen (Un-)Freiheit näher vor Augen zu führen. Wie frei ist unsere heutige Gesellschaft tatsächlich, und welchen Preis zahlen wir für unsere (scheinbare?) Freiheit? Können wir, als in ein System mehr oder weniger integrierte Individuen, je wirklich frei sein, und wenn ja, wollen wir den Sprung in diese Freiheit wagen?

Die Literatur, so tönt es sowohl aus den hier behandelten Werken (von Grimmelshausens „Abenteuerlichem Simplicissimus“ bis Wolfgang Herrndorfs „Bilder deiner großen Liebe“) als auch aus Neuhaus‘ Beobachtungen dazu, kann diese Fragen vielleicht auch nicht beantworten, aber sie liefert die wohl geeignetste Plattform, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Literatur macht uns vielleicht nicht frei, aber, so die schöne Hoffnung, sie macht uns vielleicht freiER.

Wenn also die folgende „literarische“ Empfehlung nur wenig freiheitsfördernd – ja vielleicht sogar autoritär! – klingt, möge man mir dies verzeihen. Allen Literaturinteressierten ans Herz gelegt sei sie trotzdem:

Für den neuen Stefan Neuhaus
gebe freigiebig dein Heu aus
und sage Freund, Frau, Mann und Chef dann:
„Schaff an den neuen Neuhaus Stefan!“

 

Meine größte Chance: Wie Fehler uns voranbringen
Autor: Nikolaus Förster
Verlag: impulse Buch
Jahr: 2017
Genre: Sachbuch

Grindknights Rezension:
Wir alle wissen, dass wir alle Fehler machen, wollen aber nichts davon wissen. Nikolaus Förster will, und beleuchtet mit „Meine größte Chance“ auf überzeugende Weise die allzu gerne ignorierte Lichtseite unserer Fehltritte. Um seine an sich simple Message – lern aus deinen Fehlern und floriere – an die Leserschaft zu bringen, bedient Förster sich dabei konkreter Beispiele aus der Wirtschaftspraxis, wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie einprägsamer Zitate berühmter Persönlichkeiten. Eine (Firmen-)Kultur, die Fehler als solche verdammt und damit die Scheu nährt, sich mit ihnen zu konfrontieren, fördert Vertuschung und Sündenbocksuche, aber kaum je anhaltendes Wachstum. Wie schwer, und gleichzeitig wie wichtig, ein verantwortungsvoller, offener Umgang mit Fehlern (ob von Mitarbeitern oder der Chefetage) geworden ist, schildert Förster in fünf schlüssig dargelegten und sauber aufbereiteten Kapiteln, und das in durchweg eingängiger Sprache. Wir erfahren dabei nicht nur, welch gravierende Fehler immer wieder auch in erfolgreichen Firmen begangen werden, sondern auch (was noch wichtiger ist), wo wir ansetzen können, um aus potenziell fatalen Fehlerkreisläufen wieder herauszukommen – und das vielleicht stärker als zuvor.

Einige Erkenntnisse mögen bei der Lektüre auf den ersten Blick offensichtlich erscheinen, aber wer die Zeit investiert, sich selbst und die eigenen Gewohnheiten (Gefühlsausbrüche, Ängste, kurz- und langfristige Ziele) unter die Lupe zu nehmen merkt bald: offensichtlich ist da (fast) gar nichts. Was sich leicht liest, lässt sich oft verdammt schwer umsetzen. In seinem Ansinnen, unser Fehlerverhalten besser zu verstehen und besser mit ihm umzugehen, gibt uns „Meine größte Chance“ also nicht nur wertvolle Tipps in Sachen effizienterer Unternehmensführung, sondern liefert auch Impulse, uns selbst besser zu verstehen.

Mit seinen fast 40 € wirkt der Preis auf den ersten Blick dabei etwas happig, die Kombination aus wertvollem Inhalt und schicker optischer Aufmachung (hier wird eine Lanze gebrochen für den klassischen Buchdruck – toll!) rechtfertigen ihn jedoch allemal. Ein gutes Investment für alle Unternehmer und jene, die es werden wollen, und ein schönes Geschenk obendrein.

 

Das wunderwilde Wolkenhaus
Autorin: Nina Hammerle
Verlag: Ellermann
Jahr: 2017
Genre: Kinderbuch

Grindknights Rezension:
Liebe Leute, seid bereit
und lest zu viert, zu dritt, zu zweit
oder allein im Kammerle
die neue Nina Hammerle!
Die Bilder frisch, die Farben froh
und reimen tut sich’s sowieso!
So schön, sein Kind und sich zu bilden
im Wolkenhaus, dem wunderwilden –
und das im Großformat, so DIN-A
4. Mein Fazit: Bravo, Nina!

Autor: grindknight

Johannes Mahlknecht hat lange Zeit Verschiedenes an verschiedenen Universitäten studiert und nebenbei sogar etwas Vernünftiges gelernt. Reimen etwa. Die Neigung zum humorvollen ebensolchen entwickelte er mit der Erkenntnis, dass Lachen hie und da recht angenehm sein kann. Im Illustrieren ist Mahlknecht auch nicht der Allerschlechteste. Zur ersten Publikation gelangte er mit vier Jahren, nachdem seine Kindergärtnerin einen von ihm ganz alleine gemalten Fisch an die Zeitung schickte, wodurch er sich sozusagen über Nacht als der "Mozart der Malerei" keinen Namen machte.

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