Frankfurter Buchmesse: Conclusio

Damit ich die Messe erfüllt verlassen kann, brauche ich nach der Hubbard-Pleite schleunigst eine ordentliche Portion Seelenbalsam, und finde sie beim Stand des KBV-Verlags, der vier Arten von Krimis herausgibt: blutige, lustige, blutig-lustige und lustig-blutige. Genau meine Kragenweite! Ich kaufe mir vom KBV’schen Haus- und Hofautor Ralf Kramp dessen humorige und very britishe Krimikurzgeschichtensammlung Ihr Mord, Mylord – schon allein des Titels wegen, und weil der Autor grad selber am Stand rumsteht und mir das Teil signieren kann, was er auch bereitwillig tut. Kramps eigene Mordlust, die in seinen Büchern so prominent zu finden ist, versteckt der Vielschreiber dabei gekonnt hinter einem Paar höflich-harmloser Augengläser. Selbst als das fünfte Foto, das ich von uns beiden schießen lasse, mich in Sachen Bildkomposition nicht zufriedenstellt und ich „Eins geht noch“ sage, erkenne ich nur im Ansatz das Killerpotenzial dahinter; aber dieser Ansatz ist für mich Anlass genug, um mit einem leisen „Dankeschön“ nach draußen zu entschwinden. Zufällig bemerke ich dort, wie Udo Lindenberg auf dem Messeinnenhof grade ein paar seiner Nummern dahindüdelt, und ich bleibe noch ein Weilchen und lausche. Was Melodisches passt doch prima zu meinem Messeabschied, denke ich, und mache mich nach einem Abstecher zum Vietnamesen um die Ecke (köstlich!) zurück ins Five Elements. Das war’s für mich mit der heurigen Frankfurter Buchmesse. Zwei Tage läuft sie noch, geöffnet für ein allgemeines und nicht wie bisher nur ein Fachpublikum, aber halt leider ohne mich. Adios, FBM!

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In der Hostelbar ziehe ich bei Bier und Blog Bilanz: Was habe ich denn hier in Frankfurt noch so alles gelernt, das keinen Platz auf vorigen Posts gefunden hat? Von Autor und Speaker Stefan Engeseth (dem Sharkonomics-Verfasser) etwa, dass der Job eines Ghostwriters, dem Engeseth selbst in jüngeren Jahren längere Zeit nachging, scheinbar an sich gar nicht übel ist. Lass dir einfach von irgend ‘nem Self-Help-Guru dessen Programm vorlegen (wurscht ob „Schlank mit Junk“, „Fett und faul zum Millionär“ oder „In 10 Schritten zum Traumdate – auch mit deiner Arschvisage“) und verpacke es in genau so viele und genau so eingängige Worte, dass sie gerade noch das Buchformat rechtfertigen und dass auch die weichste aller Birnen ihnen mühelos folgen kann. Ob die Programme bei konsequenter Umsetzung tatsächlich den Erfolg bringen, den sie versprechen, braucht dich dabei nicht jucken, denn a) trägt die Verantwortung letztendlich der Guru, nicht der Ghostwriter, und b) führt eh keiner die Programme je konsequent durch. Ich hab auch schon mal gehört, dass 30.000 € Pauschalhonorar pro Buch locker drin sind und überlege nun ernsthaft, den Weg des Ghostwriters zu beschreiten – bis Engeseth mir erklärt, die Definition von „Ghostwriter“ beinhalte, dass jener weder am Cover noch sonstwo erwähnt wird, also praktisch als „Ghost writet“ . Ich bin entsetzt! Dass Leute ihr Talent für sowas hergeben! Ja haben die denn keinen Stolz?! Wenn ich schon 150 Seiten Schund verzapfe, der keiner Sau was bringt, dann hat gefälligst mein Name vorn draufzustehen! Nein, die Ghostwriter-Zunft ist nichts für mich. Da fang ich ja noch eher an mit Bloggen!

Ebenfalls gelernt habe ich, dass ein Hammer-Manuskript (check!) bzw. ein umwerfendes Portfolio (check!) mit traumhaften Illustrationen (check!), gepaart mit einwandfreier Präsentation (check!) und makellosem Aussehen (check!), nicht gleich zwangsläufig zum ersehnten Vertragsdeal führen. Möglich sogar, dass dein Talent niemanden auch nur annähernd am Arsch kratzt (check!). Aber ich habe eben auch gelernt, dass man dennoch jede Menge Spaß haben und einiges lernen kann – und die nächste Messe kommt bestimmt!

Und was habe ich alles verpasst? Zu viel, um hier mit Aufzählen zu beginnen, aber ich tu’s trotzdem: Dan Browns Lesung hätte ich tatsächlich gern beigewohnt, ebenso wie den Auftritten seriöserer Autoren und Autorinnen, etwa der Self-Publishing-Queen Poppy J. Anderson. Mit ihrem radikal-sozialkritischen Ouvre betritt Anderson regelmäßig absolutes literarisches Neuland und kommt dem universellen Kern des Dilemmas dieses unseres Menschseins verblüffend nahe – in Meisterwerken wie Verrückt nach einem Tollpatsch, Knallharte Schale – Zuckersüßer Kerl oder Ein Hinterwäldler zum Verlieben. Ja, die Anderson zu sehen wär was gewesen – aber es gibt Trost: mit Jane S. Wonda durfte ich zumindest eine waschechte Self-Publishing-Princess hautnah erleben. Ein Exemplar ihres insgesamt recht schmalen Outputs (nur 16 Romanveröffentlichungen in zwei Jahren, weswegen Wonda in Insiderkreisen auch als „Stanley Kubrick der Dark-Romance-Literatur“ bekannt ist) ließ ich mir gleich von ihr signieren (Und täglich ohne dich), und dazu gab mir Wonda noch geschätzte zwei Kilo Gratis-Merchandise mit auf den Weg (Wonda-Luftballone, Dark-Romance-Bleistifte, Endless-Love-Postkarten etc.). Ihr kleiner Stand ist übrigens in Sachen liebevoller Gestaltung eins meiner persönlichen Messehighlights, und Wonda ein schillerndes Beispiel einer echten Self-Made-Woman! Inspiration pur!

 

Am meisten schmerzt es mich, die ganzen Verkleidungen zu verpassen, die, wie mir Messeveteran Arup berichtet, an den Publikumstagen die Hallen füllen – aberhunderte Charaktere aus allen möglichen Bereichen, von Ninja Turtles bis Dorian Gray, wuseln da jedes Jahr rum. Beim Auschecken entdecke ich allerdings vier junge Damen, die sich gerade in die Hüllen besonders populärer Figuren quetschen, und als Riesenfan jeder einzelnen bitte ich sie noch schnell um ein Foto. Dann heißt’s ab zum Zug und zurück nach good old Austria. Aber eins ist sicher: Frankfurt, ich kehre wieder!

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Autor: grindknight

Johannes Mahlknecht hat lange Zeit Verschiedenes an verschiedenen Universitäten studiert und nebenbei sogar etwas Vernünftiges gelernt. Reimen etwa. Die Neigung zum humorvollen ebensolchen entwickelte er mit der Erkenntnis, dass Lachen hie und da recht angenehm sein kann. Im Illustrieren ist Mahlknecht auch nicht der Allerschlechteste. Zur ersten Publikation gelangte er mit vier Jahren, nachdem seine Kindergärtnerin einen von ihm ganz alleine gemalten Fisch an die Zeitung schickte, wodurch er sich sozusagen über Nacht als der "Mozart der Malerei" keinen Namen machte.

2 Kommentare zu „Frankfurter Buchmesse: Conclusio“

  1. Hmmm, das mit den verschiedenen Dingen, die man abhackt, kommt mir bekannt vor. Guter Rhythmus (check!), saubere Melodie (check!), beeindruckende Lyrics (check!), was für ein Song (check!), kratzt keine Sau (check!).

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