Frankfurter Buchmesse Tag 2

Erste Zwischenbilanz: Verlagsinteresse erstmal nix da, aber ein aufregendes Erlebnis ist die Buchmesse allemal. Lernen kann man hier was, soviel ist fix. Und schöne Begegnungen gibt’s auch. Ein Hauch Heimatluft etwa weht mir beim Stand des Bozner Raetia-Verlags entgegen, der vor einigen Jahren Hans Karl Peterlinis Biografie des Südtirol-Politikers Hans Dietl rausbrachte (welcher, bitteschön, kein Geringerer war als mein eigener Opa!). Bei Raetia dringt sofort der verlockende Duft von Original-Südtiroler Schüttelbrot, das jedem Dahergelaufenen (wie etwa meine Wenigkeit) zum Verzehr angeboten wird, in meine Nüstern. Das heißt, ich bin jedenfalls hin und hab was davon geknabbert. Angeboten in dem Sinn hat man’s mir nicht, wenn ich genauer drüber nachdenke. Aber wär ja noch schöner, wenn einem Südtiroler im fernen Frankfurt und abseits aller Kastelruther Spatzen in einem landsmännischen Verlagsstand sein Recht auf ein Stück Schüttelbrot verwehrt werden würde!  

Egal, ich kaue also Schüttelbrot und was sehe ich? Raetia-Programmleiter Thomas Kager und seine Kollegin Magdalena Grüner, beide vertieft in mein Werk Nicht nur Nonsens (siehe Beweisfoto)! Ja wie wahrscheinlich ist denn sowas! (Na gut, vielleicht ein bisschen wahrscheinlich: Ich habe Kager einige Minuten zuvor ein Exemplar ungefragt in die Hand gedrückt und dann schnell das Foto geschossen.) Zusätzlich zum Schüttelbrot bewirbt Raetia übrigens gerade ihre Bozenkrimi-Romanreihe, basierend auf der aktuell erfolgreichen ARD-Fernsehserie. Also wenn das mal nicht passt wie die Faust aufs Auge: Raetia könnte ja meine Innsbruck-Krimireihe bewerben, auf der die bald aktuell erfolgreiche ARD-Fernsehserie basieren wird (vorausgesetzt, Hollywood klopft nicht zuerst an, dann heißt’s selbstverständlich: „sorry und bye bye, ARD!“). Tatsächlich konnte ich beobachten, wie Kager und Grüner (beide übrigens sympathisch, sympathisch. Sie haben mir zwar in der Vergangenheit jedes Manuskript, das ich in ihre Richtung schleuderte, postwendend zurück ins Gesicht geklatscht, aber sympathisch, sympathisch…) mein aufgezwungenes Geschenk Nicht nur Nonsens nicht nur nicht links liegen ließen, sondern gleich darin schmökerten. „Wir sind gerade beim Gedicht ‚An die Buchverlage'“, ruft mir Kager vergnügt entgegen. Ich huste ein Stück Schüttelbrot hervor. Zeit für mich, das Weite zu suchen. Als Amazon-Selfpublisher ein Trotzgedicht gegen alle „echten“ Verlage rauszubringen, um deren Gunst man eigentlich nach wie vor verzweifelt ringt, könnte sich im Nachhinein als der nicht gerade allersmarteste Schachzug erweisen. Das Gedicht geht nämlich so:

Vergeblich wollt ich euch bezwingen,
u
m meine Dichtung rauszubringen.
Musste artig mich gebärden,
u
m dann von euch verschmäht zu werden.
Immer hieß die Antwort schlicht:
„Sie passen ins Programm uns nicht.“
Es wollte nie mein Blatt sich wenden,
d
rum sollte die Geduld bald enden.
Ich entschloss mich, meine Sachen
f
ortan einfach selbst zu machen.
D
em Niederknien vor euch Verlagen
d
arf ich also jetzt entsagen
u
nd muss mich nicht davor genieren
e
uch meinen Freund zu präsentieren,
d
en kein Risiko je schreckt:
mein Freund heißt AMAZON DIRECT!

Soviel also zu meinen Plänen mit der Innsbruck-Krimireihe bei Raetia. Aber immer munter weiter durch den Messehallendschungel…

Meine Programmplanung für heute nimmt so langsam Form an. Noch mehr Anstehen mit Illustrationsportfolio, Buch von Axel Scheffler (dem Illustrator von keiner geringeren Kreatur als dem Grüffelo höchstpersönlich) für meine Söhne (ok, für mich) kaufen und signieren lassen und – mein schwerster Gang – der Siegerehrung für den „Kindle Storyteller Award“ beiwohnen. Mein Buch Nicht nur Nonsens, welches, denke ich, hier schon irgendwo mal erwähnt wurde und übrigens ein Knüller ist, der nur noch des Knüllens harrt (gibt’s bei Amazon, by ze way), war mit im Rennen, hat aber leider nicht gewonnen. Als ich am Amazon-Stand im Vorbeigehn die Finalistenbücher aufgereiht vor mir sehe, ergebe ich mich dem inneren Drang, den netten Standbetreuerinnen von meiner Storyteller-Award-Teilnahme zu berichten:

„Da hab ich auch mitgemacht, aber leider nicht gewonnen,“ sage ich.

„Ach wie schön“, kommt die freundlich-verunsicherte Antwort.

„Aber es sind ja auch nur Gedichte“, füge ich selbsttröstend-schulterzuckend-seufzend hinzu. Gedichte liest nämlich – packen wir das Problem doch an der Wurzel und reden nicht lang drum rum  – keine Sau.

„Aber es sind doch auch Gedichte unter den Finalisten!“, ruft eine der Standbetreuerinnen aufmunternd.

„Ach ja, stimmt. Aber nicht meine.“

Ich wende mein Gesicht ab, zücke heimlich ein Taschentuch und ziehe von dannen, die betreten schweigenden jungen Damen für immer hinter mir lassend. (Na ja nicht ganz für immer, bin grad eben wieder an ihnen vorbeimarschiert. Die Messe ist riesig, aber sooo riesig auch wieder nicht, besonders dann nicht, wenn man wie ich fast immer in der selben Halle rumgurkt).

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Fortsetzung folgt!

Autor: grindknight

Johannes Mahlknecht hat lange Zeit Verschiedenes an verschiedenen Universitäten studiert und nebenbei sogar etwas Vernünftiges gelernt. Reimen etwa. Die Neigung zum humorvollen ebensolchen entwickelte er mit der Erkenntnis, dass Lachen hie und da recht angenehm sein kann. Im Illustrieren ist Mahlknecht auch nicht der Allerschlechteste. Zur ersten Publikation gelangte er mit vier Jahren, nachdem seine Kindergärtnerin einen von ihm ganz alleine gemalten Fisch an die Zeitung schickte, wodurch er sich sozusagen über Nacht als der "Mozart der Malerei" keinen Namen machte.

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